Die Rhetorik-Krise: Deepfakes, der Mensch, wie wir reden - und was daraus folgt
In Zeiten von Deepfakes + KI-Reden gerät Vertrauen in öffentliche Sprache unter Druck. Authentizität, Resonanz und Ethos entscheiden über Glaubwürdigkeit und die Zukunft menschlicher Kommunikation.

(industrietreff) - Berlin - Als im vergangenen Jahr manipulierte Videoausschnitte mehrerer europäischer Regierungschefs kursierten, war der Schaden nicht nur politisch. Deepfakes konnten zwar schnell entlarvt werden - doch der Zweifel blieb. Nicht an einzelnen Aussagen, sondern an der Glaubwürdigkeit des öffentlichen Sprechens.
In einer Zeit, in der Worte jederzeit reproduzierbar, verformbar und ironisierbar sind, gerät etwas Grundsätzliches unter Druck: Vertrauen in Sprache als Mittel der Verständigung.
Wenn Sprache ihren Halt verliert
Ob Kanzleransprache, Wahlkampfrede oder viraler Clip: Öffentliche Kommunikation steht heute unter einem doppelten Verdacht. Einerseits wird sie als strategisch, berechnend oder manipulativ wahrgenommen. Andererseits erscheint sie vielen als austauschbar - ersetzbar durch KI-generierte Texte, Stimmen und Gesichter. Die Folge ist eine schleichende Erosion von Wahrheit und Vertrauen, wie mehrere internationale Medienanalysen zuletzt konstatierten.
Der römische Stoiker Seneca formulierte einst: _"Nicht durch Worte allein, sondern durch Gedanken wird überzeugt."_ Ein Satz, der überraschend aktuell wirkt. Denn was fehlt, ist weniger Information als Überzeugungskraft - weniger Inhalte als eine gemeinsame Grundlage, auf der Worte überhaupt noch Bedeutung entfalten können.
Rhetorik unter Verdacht - eine demokratische Herausforderung
Der Soziologe Prof. Dr. Jan Herdens beobachtet eine paradoxe Entwicklung:
"Wir erleben zugleich eine sprachliche Zuspitzung und ein tiefes Misstrauen gegenüber allem, was zu perfekt wirkt."
Öffentliche Rede wird zunehmend als taktisches Manöver, nicht als Dialog gelesen. Das beschädigt Vertrauen in Institutionen - und in Argumente selbst.
Die Konsequenz: Nicht nur politische Aussagen, sondern die Form des Argumentierens gerät unter Generalverdacht. Emotionalität gilt als manipulativ, Rationalität als elitär. Übrig bleibt Skepsis - gegenüber _jeder_ Form von Überzeugung.
Ethos, Authentizität - und das Problem der Gegenwart
Schon Aristoteles wusste, dass nicht allein Argumente überzeugen, sondern der Charakter des Redners. _Ethos_ nannte er dieses Prinzip - die wahrgenommene Glaubwürdigkeit dessen, der spricht. Heute wird dieses Maß an Politiker, Influencer und zunehmend auch an KI-Avatare angelegt.
Das Problem: Authentizität lässt sich simulieren. Stimme, Mimik, Tonfall - alles ist reproduzierbar. Was früher Ausdruck von Persönlichkeit war, ist heute Teil eines technischen Baukastens. Damit verschiebt sich die Frage von _Wie gut ist die Rede?_ zu _Ist das Gesagte überhaupt noch echt?_
Emotion als Beziehung - eine Perspektive aus der Praxis
Die Kommunikationstrainerin Jessica Wahl erlebt diese Verunsicherung täglich in Workshops und Coachings. "Sprache ist mehr als Technik. Sie ist Beziehung", sagt sie. Viele Redestrategien, so Wahl, zielten auf Schlagworte, Reichweite und SEO-Logiken - und verfehlten damit den Kern.
"Was aus dem Herzen kommt, geht zu Herzen," sagt Wahl. Überzeugend zu sprechen heiße nicht, perfekte Argumente zu liefern, sondern Resonanz zu erzeugen. Oder, klassisch formuliert: zu lehren, zu bewegen und zu erfreuen.
Gerade in einer digitalen Öffentlichkeit, die von Beschleunigung und Ironie geprägt ist, werde diese menschliche Dimension oft unterschätzt.
Was bleibt, wenn alles gesagt scheint?
Rhetorik ist kein Relikt der Antike und keine bloße Technik. Sie ist eine soziale Praxis, die Vertrauen voraussetzt - und Vertrauen zugleich erst hervorbringen kann. In einer Welt, in der menschliche und künstliche Stimmen scheinbar gleichwertig nebeneinanderstehen, entscheidet sich ihre Zukunft nicht an der Lautstärke, sondern an der Glaubwürdigkeit. Und letztlich an der Frage, was wir als Menschen wollen und was wir für unser Zusammenleben brauchen.
Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, was gesagt wird, sondern wie und aus welcher Haltung heraus. Denn Sprache ist mehr als ein Transportmittel für Informationen. Sie ist das Gefüge, das Gemeinschaft ermöglicht, Verständigung stiftet und Demokratie lebendig hält.
Ob diese Grundlage erneuert werden kann, wird sich nicht allein daran zeigen, ob wir die technologischen Entwicklungen mit unserem menschlichen Geist durchdringen. Entscheidend wird sein, ob wir die Bereitschaft haben, unser eigenes Sprechen neu zu befragen und den Mut finden, einen Ausdruck zu entwickeln, der nicht nur neu klingt, sondern im wahrsten Sinne menschlich ist.
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Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Institut für Personal Performance Coaching begleitet seit 20 Jahren Fach- und Führungskräfte sowie Persönlichkeiten in herausfordernden beruflichen Kontexten.
Jessica Wahl, Senior Performance Coach, Atem-, Stimm- und Sprechtherapeutin, und Jörg Tewes, Senior Performance Coach, Dipl. Schauspieler sind international als führende Experten für Rhetorik, Kommunikation und Karriere Coaching bekannt.
Das Coaching findet in einem einzigartigen Ambiente im Herzen von Berlin-Kreuzberg statt: Das Institut befindet sich in einer wunderschönen Kirche, die eine Atmosphäre von Ruhe, Konzentration und Klarheit bietet - ein bewusster Kontrapunkt zur pulsierenden Dynamik der Großstadt.
Der Fokus des Coaching-Ansatzes liegt auf Haltung, Präsenz und nachhaltiger Performance - alles unter realen Bedingungen und mit einem klaren Ziel: Menschen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zu stärken. Besonders wird auf die Entwicklung von Soft Skills, emotionaler Intelligenz und der Fähigkeit zur authentischen Selbstpräsentation Wert gelegt. So werden die Klienten optimal auf die komplexen Anforderungen der modernen Arbeitswelt vorbereitet, die sowohl technisches Wissen als auch ausgeprägte zwischenmenschliche Fähigkeiten erfordern. https://www.jessicawahl.de
Taborstr. 17, 10997 Berlin
Datum: 08.01.2026 - 16:20 Uhr
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