Amerika baut das Gehirn, China den Körper und Europa sucht den Charakter

(industrietreff) - Humanoide Roboter im globalen Vergleich: Wer führt wirklich - und wer versteht die Regeln bisher nicht?
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der humanoide Roboter ist zur Leitfigur einer neuen Industrie-Ära geworden. Nicht, weil er schon überall perfekt funktioniert. Sondern weil er ein Versprechen in Menschengestalt ist. Ein Roboter, der nicht nur eine Schraube anzieht, sondern jede Schraube an jedem Ort anziehen könnte. Ein System, das sich nicht mehr an die Fabrik anpasst, sondern die Fabrik an sich selbst. Und genau deshalb ist der Wettlauf so politisch, so emotional und so wirtschaftlich aufgeladen. Wer den humanoiden Roboter beherrscht, kontrolliert nicht nur ein Produkt. Er kontrolliert den Transfer von Wissen in Bewegung.
Dr. Andreas Krensel betrachtet diese Entwicklung mit einer Mischung aus Neugier und professioneller Skepsis. Als Biologe und Technologe denkt er nicht in Marketing-Kategorien, sondern in Systemen: Was lernt hier eigentlich? Was wird trainiert? Was ist Signal und was ist nur Show? Für ihn ist der humanoide Roboter kein "Gadget", sondern ein Prüfstein: ob eine Gesellschaft in der Lage ist, komplexe Technologien nicht nur zu erfinden, sondern auch sauber in die Welt zu integrieren - sicher, wirtschaftlich, sozial akzeptiert.
Die USA: viel Gehirn, viel Geld - und ein ungeduldiger Markt
Amerika spielt im Humanoid-Rennen seine klassischen Stärken aus: Kapital, KI-Ökosysteme, Talentmagnetismus und die Bereitschaft, Prototypen im Licht der Öffentlichkeit reifen zu lassen. Wenn in den USA über humanoide Roboter gesprochen wird, klingt das selten nach vorsichtigem Ingenieurwesen - eher nach "Moonshot". Tesla etwa stellt bereits einen Verkaufsstart seines humanoiden Roboters "Optimus" bis Ende 2027 in Aussicht. Ob dieser Zeitplan realistisch ist, ist gar nicht der Kernpunkt. Der Kernpunkt ist: In den USA wird die Zukunft häufig als Produktankündigung formuliert. Das erzeugt Tempo, Aufmerksamkeit, Talent, aber auch Druck, Abkürzungen zu nehmen.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die USA das "Lernen im Einsatz" ernst meinen. Figure AI berichtet über eine langfristige Erprobung seines Roboters Figure 02 in einem BMW-Werk: Der Roboter habe über elf Monate Aufgaben im Produktionsumfeld übernommen und dabei zur Fertigung von 30.000 Fahrzeugen beigetragen. Das ist mehr als PR: Es ist ein Signal, dass Humanoide nicht nur in Laboren hübsch stehen, sondern dort trainiert werden, wo Störungen, Zeitdruck, Sicherheitsvorgaben und echte Prozesse regieren.
Doch genau hier lauert auch eine wohlmögliche amerikanische Schwäche. Der US-Ansatz ist oft softwaregetrieben: erst die Intelligenz, dann der Körper. Das kann brillant sein, aber im Humanoid-Bereich ist der Körper nicht "nur Hardware". Er ist das eigentliche Problem. Greifen, Balancieren, Batterie, Wärmemanagement, Sicherheit, Robustheit im Staub, in der Kälte, im Lärm. Ein humanoider Roboter ist keine App. Er ist ein physisches Versprechen, das jeden Tag auf die Werkbank muss.
China: Der Staat organisiert Skalierung - und die Fabrik wird zum Trainingsgelände
China geht anders vor. Dort wirkt die Humanoid-Strategie wie eine Mischung aus industrieller Logistik und nationaler Mission. Ein Beispiel ist die Standardisierung: Chinas Industrieministerium MIIT hat Ende 2025 eine neue Standardisierungskommission für humanoide Roboter vorgeschlagen, mit Dutzenden Mitgliedern aus Industrie und Wissenschaft, darunter Vertreter großer Tech- und Mobilitätsunternehmen. Das klingt trocken, ist aber strategisch: Standards sind nicht Bürokratie, sondern Macht. Wer Standards setzt, bestimmt Schnittstellen, Sicherheitslogiken, Testverfahren und damit, wer schnell skalieren kann und wer außen vor bleibt.
China hat zudem einen Vorteil, den man in Europa gerne unterschätzt: Trainingsumgebungen im industriellen Maßstab. Fabriken sind nicht nur Produktionsstätten, sie sind Datenräume. Jede wiederholte Bewegung, jeder Fehler, jede Korrektur kann zum Lernmaterial werden, sofern die Architektur das zulässt. Das Wall Street Journal beschreibt diesen chinesischen Ansatz als Versuch, Humanoide "on the job" zu trainieren und dadurch schneller in reale Arbeitsabläufe zu bringen. Das ist ein anderer Geist als in vielen westlichen Projekten, die lange im Labor perfektionieren wollen, bevor sie in die Wirklichkeit gehen.
Aber China trägt auch seine typischen Risiken in sich: Tempo kann zu Kurzfristigkeit werden. Und wenn der Druck "schnell raus damit" zu groß ist, entstehen Systeme, die in Demosituationen glänzen, aber in der rauen Realität wackeln. Genau deshalb sind die aktuellen Stückzahlen so interessant. UBTech etwa peilte nach eigenen beziehungsweise berichteten Angaben 500 ausgelieferte Industrie-Humanoide bis Ende 2025 an und spricht über eine deutliche Steigerung für 2026. Die Zahlen sind noch klein, aber der industrielle Wille zur Skalierung ist sichtbar.
Japan: Robotik als Kultur - aber manchmal zu höflich für den Markt
Japan ist der "alte Meister" der Robotik. Aber der Humanoid-Markt von heute ist nicht mehr der Markt von ASIMO-Zeiten. Honda selbst beschreibt rückblickend, wie sehr das ASIMO-Projekt das Verständnis von Sicherheit, Mensch-Roboter-Koexistenz und Betrieb in realen Umgebungen geprägt hat. Japan hat also Tiefe, Disziplin und eine bemerkenswerte Ingenieurkultur.
Und doch wirkt Japan im aktuellen Humanoid-Hype manchmal wie ein Schachmeister in einer Welt, die plötzlich auf Speed-Chess umgestellt hat. Japan baut gerne perfekt. Der Markt belohnt aber gerade "gut genug, schnell gelernt, schnell iteriert". Dazu kommt: Japan denkt Robotik stark als gesellschaftliche Lösung (Demografie, Pflege, Service), was langfristig klug ist, aber kurzfristig weniger spektakuläre Industriebilder liefert.
Südkorea: Allianzen, Industriepower - und ein sehr klares Ziel
Südkorea positioniert sich spürbar aggressiver. Mit der "K-Humanoid Alliance" bündelt das Land Unternehmen, Forschung und politische Agenda; Medienberichte nennen dabei auch Investitionsziele in erheblicher Größenordnung bis 2030. Südkorea kann etwas, das im Humanoid-Bereich Gold wert ist: präzise Fertigung, starke Elektronik-Lieferketten, und eine Industrie, die schnell in robuste Serienprozesse übersetzen kann. Wenn die USA das KI-Gehirn liefern und China die Skalierungsmaschine, dann könnte Südkorea der Spezialist für "Industriequalität im Takt" werden.
Europa: Werte, Normen, Perfektion - und die große Frage nach dem Mut
Europa hat zwei Gesichter. Auf der einen Seite: Weltklasse im Maschinenbau, Sicherheit, Normung, Industrieprozesse. Auf der anderen Seite: zu wenig Skalierungskapital, zu zersplitterte Initiativen und eine gewisse Angst, Fehler öffentlich zu machen. Dabei könnte Europa gerade beim humanoiden Roboter einen eigenen Stil entwickeln: weniger "Tech als Machtdemonstration", mehr "Tech als gesellschaftlicher Vertrag".
Das passt zur europäischen Industrie-5.0-Logik, die ausdrücklich Nachhaltigkeit, Menschenzentrierung und Resilienz betont, als Ergänzung zu Industrie 4.0. Wenn Europa diese Idee ernst nimmt, könnte der humanoide Roboter hier nicht als Jobkiller vermarktet werden, sondern als Sicherheits- und Entlastungssystem: in gefährlichen Tätigkeiten, in der Wartung kritischer Infrastrukturen, in Pflegeassistenz, in Logistik, überall dort, wo Mangel herrscht und Qualität zählt.
Und genau hier wird Dr. Krensels Perspektive spannend: Er denkt Technik nicht als "Ersetzung", sondern als präzise Erweiterung menschlicher Fähigkeiten. Das ist kein Wohlfühl-Satz, sondern ein Entwicklungsprinzip. Wer Maschinen menschliche Bewegungs- und Wahrnehmungslogik beibringen will, muss zuerst verstehen, wie Menschen Wahrnehmung überhaupt erzeugen und wie man daraus robuste, erklärbare Systeme baut. Für Eyroq ist das die entscheidende Brücke: nicht nur Robotik als Hardware, sondern Robotik als transferiertes Lernprinzip.
Wissenstransfer: Der unterschätzte Kern des Humanoid-Wettlaufs
Jetzt kommt der Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft hinter moralischen Etiketten verschwindet: Wissenstransfer ist nicht nur "Diebstahl" oder "Fairness". Wissenstransfer ist die zentrale Mechanik industrieller Entwicklung - historisch, global, immer. Der Unterschied liegt in der Form: Wie wird Wissen übertragen? Über offene Forschung? Über Joint Ventures? Über Lieferketten? Über Abwerbung? Über Reverse Engineering? Über Standards?
Diskussionen zur China-Deutschland-Frage treffen einen wunden Nerv, weil sie nicht moralisieren, sondern Mechanismen beschreiben: Produktionsverlagerung erzeugt Lernkurven. Preisdruck erzeugt Gegenstrategien. Fehlende Abnahmegarantien erzeugen betriebswirtschaftliche Notwehr. Das muss man nicht gutheißen, aber wer es verstehen will, muss es als System betrachten: Wenn ein westlicher Auftraggeber Know-how in Prozesse gießt, und zugleich das Risiko einseitig verteilt, dann entsteht eine Umgebung, in der der Zulieferer irgendwann sagt: "Dann baue ich es selbst." Das ist kein Kultururteil. Das ist Industriesoziologie.
Im Humanoid-Zeitalter wird Wissenstransfer noch brisanter, weil das Produkt "Arbeitsfähigkeit" ist. Ein humanoider Roboter ist eine mobile Plattform, die in viele Branchen diffundieren kann. Wer hier die Lernmodelle, die Sicherheitsarchitekturen und die Produktionsketten kontrolliert, kontrolliert nicht nur ein Segment, sondern eine Quertechnologie.
Ein Blick auf die Wirklichkeit: Warum die Stückzahlen noch klein sind - und trotzdem alles schon läuft
Wer heute höhnisch sagt "Humanoide können ja kaum Treppen steigen", schaut auf den falschen Moment. Die spannende Phase ist nicht die perfekte Bewegung, sondern der Übergang vom Prototyp zur Wiederholung. Marktanalysen gehen davon aus, dass die globalen Humanoid-Auslieferungen in den späten 2020ern deutlich anziehen könnten; Omdia nennt als Größenordnung mehr als 10.000 Einheiten bis 2027 und rund 38.000 bis 2030. Andere Analysen sehen einen großen Markt bis 2035. Ob jede Zahl exakt so eintrifft, ist zweitrangig. Entscheidend ist das Muster: Es ist nicht mehr "ob", sondern "wann kippt es in die Breite".
Und parallel passiert etwas, das man nicht unterschätzen sollte: Humanoide werden bereits in sozialen Räumen getestet, nicht nur in Fabriken. Der Roboter Ameca etwa wird in Deutschland im Pflegekontext erprobt, um Reaktionen, Akzeptanz und Grenzen zu verstehen. Hier zeigt sich ein europäischer Schwerpunkt: weniger Produktionsrekord, mehr Mensch-Roboter-Interaktion als gesellschaftliche Vorbereitung.
Die visionäre Frage, die sich Europa stellen muss
Wenn wir ehrlich sind, lautet die entscheidende Frage nicht: "Wer baut den besten humanoiden Roboter?" Die Frage lautet: "Wer baut das überzeugendste Lernsystem aus Technologie, Regeln, Vertrauen und Anwendung?" Die USA sind stark im Modell und im Kapital, China in Skalierung und Industrialisierung, Korea in Fertigungsdisziplin und Bündnissen, Japan in Sicherheits- und Robotiktradition, Europa in Normen, Ethik und industrieller Qualität.
Aber Europa muss etwas wagen: den humanoiden Roboter nicht nur als Importprodukt zu betrachten, sondern als eigenes Wertversprechen. Nicht als Angstthema. Sondern als Antwort auf Mangel, Risiko, demografischen Druck und Energieeffizienz. Genau hier liegt der Eyroq-Ansatz als Story mit Substanz: die Verbindung aus biologisch inspiriertem Lernen, industrieller Realität und einem nüchternen Blick auf Wahrnehmung und Systemverhalten nicht als "Hype", sondern als belastbare Entwicklungslogik.
Und damit endet dieser Teil nicht mit einer Behauptung, sondern mit einer Frage, die für Dr. Krensel elementar ist: Wenn humanoide Roboter die nächste große Transfer-Technologie sind, wollen wir dann nur zuschauen, wie andere die Lernregeln definieren, oder wollen wir selbst bestimmen, wie sich Maschinen in unsere Welt einfügen, ohne dass unsere Welt dabei ihre Mitte verliert?
Autor: Dr. Andre Stang
Geschäftsführer Eyroq AI GmbH
Autorenprofil:
Dr. Andre Stang ist Geschäftsführer der Eyroq AI GmbH in Deutschland und zählt zu den profilierten Köpfen im Bereich künstliche Intelligenz und menschenzentrierter Technologieentwicklung. Er verbindet technologische Exzellenz mit strategischem Denken und verantwortungsvoller Innovationsführung. Sein Fokus liegt auf der Entwicklung intelligenter Systeme, die wirtschaftlichen Nutzen mit gesellschaftlicher Relevanz verbinden.
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Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Die eyroq s.r.o. mit Sitz in Uralská 689/7, 160 00 Praha 6, Tschechien, ist ein innovationsorientiertes Unternehmen an der Schnittstelle von Technologie, Wissenschaft und gesellschaftlichem Wandel. Als interdisziplinäre Denkfabrik widmet sich eyroq der Entwicklung intelligenter, zukunftsfähiger Lösungen für zentrale Herausforderungen in Industrie, Bildung, urbaner Infrastruktur und nachhaltiger Stadtentwicklung.
Der Fokus des Unternehmens liegt auf der Verbindung von Digitalisierung, Automatisierung und systemischer Analyse zur Gestaltung smarter Technologien, die nicht nur funktional, sondern auch sozialverträglich und ethisch reflektiert sind.
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Datum: 05.02.2026 - 13:25 Uhr
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