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Wachstumsmotor Hightech: Studie identifiziert 1,7 Billionen Euro ungenutztes Potenzial in Deutschland

ID: 2231295


(ots) -
- Der Standort droht, im globalen Technologiewettbewerb den Anschluss zu verlieren - doch sechs Schlüsseltechnologien bergen enormes Wertschöpfungspotenzial
- Die Studie "Wachstumspfade" von Boston Consulting Group (BCG) und UnternehmerTUM identifiziert 18 zentrale Maßnahmen zur erfolgreichen Umsetzung der Hightech Agenda des Bundesforschungsministeriums
- Entscheidend dabei: vorhandene Stärken konsequent in industrielle Wertschöpfung übersetzen

Ein Hightech-Potenzial von rund 1,7 Billionen Euro bietet deutschen Unternehmen die Chance, im internationalen Technologiewettbewerb entscheidend aufzuholen. In zentralen Schlüsseltechnologien liegen die Voraussetzungen, um Wertschöpfung zu skalieren und industrielle Stärke in zukünftigen Leitmärkten auszubauen - während andere Nationen wie die USA und China diese Hebel bereits systematisch nutzen und damit den Handlungsdruck für Deutschland erhöhen.

Wie ein Kurswechsel gelingen kann, zeigen BCG und UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Unternehmensgründung, in ihrer Studie "Wachstumspfade". Diese richtet den Blick konsequent nach vorn: Im Fokus stehen die sechs Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) - und die Frage, wie sich technologische Stärken schneller in skalierbare Geschäftsmodelle und nachhaltiges Wachstum übersetzen lassen. Die Studie wird beim Start-up-Hub der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt.

Zu wenig Innovation, zu wenig Kapital

Deutschlands Innovationssystem verfügt über ein erhebliches Wachstumspotenzial - insbesondere dort, wo wissenschaftliche Stärke, Skalierung und Kapital systematisch zusammengeführt werden. Die Studie zeigt: Wenn klare Umsetzungsstrukturen und ausreichendes Wachstumskapital verfügbar sind, entstehen Wertschöpfung und Renditen, vor allem in KI-getriebenen Zukunftsfeldern. International wird dieses Potenzial bereits genutzt - während Deutschland trotz einer breiten technologischen Basis wirtschaftlich hinter seinen Möglichkeiten bleibt. So lag die Zahl aktiver Patente 2023 mit rund 930.000 unter dem Niveau der USA (3,5 Millionen) und Chinas (5 Millionen). Noch deutlicher wird der Unterschied bei wachstumsstarken Technologieunternehmen: In den USA sind rund 700, in China etwa 370 Unicorns entstanden - in Deutschland bislang rund 30. Auch beim Wachstumskapital besteht erhebliches Aufholpotenzial: 2024 investierten Kapitalgeber hierzulande weniger als 10 Milliarden US-Dollar Venture Capital, verglichen mit 209 Milliarden in den USA und rund 40 Milliarden in China. "Die Hightech Agenda ist die Chance, Deutschland als Industrie- und Technologiestandort neu zu erfinden", sagt Michael Brigl, Senior Partner und Zentraleuropa-Chef bei der Boston Consulting Group. "Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Mikroelektonik oder Biotechnologie entscheiden nicht nur darüber, wer künftig wirtschaftlich das Rennen macht. Sie sind genauso entscheidend für die Resilienz und Souveränität unseres Landes."





Erfolgversprechende Schlüsseltechnologien


- Künstliche Intelligenz: Deutschland verfügt über exzellente Forschung, industrienahe Anwendungsfelder und international wettbewerbsfähige Unternehmen, bleibt bei Plattformen, Infrastruktur und Skalierung jedoch hinter den USA und China zurück. "Deutschland hat starke Voraussetzungen - etwa bei industrieller KI und physischen Modellen -, muss diese jetzt aber konsequent in KI-getriebene Wachstumspfade und neue Generationen von Weltmodellen übersetzen, um international eine führende Rolle einzunehmen", sagt Tibor Merey, Partner bei BCG und Leiter des globalen Frontier-Tech Bereichs. Wettbewerbsfähigkeit erfordert dedizierte KI-Factories, industrienahe Datenräume und Modellfabriken, die Entwicklung und Anwendung eng verbinden. Nationale Weltmodell-Programme, souveräne KI-Infrastruktur und eine wirkungsorientierte Finanzierung setzen dafür die entscheidenden Rahmenbedingungen.
- Quantentechnologien: In der Quantenforschung zählt Deutschland zur internationalen Spitze, der Übergang zu marktfähigen, zertifizierten Systemen verläuft jedoch noch zu langsam. Das größte Potenzial liegt in Enabler-Technologien wie Photonik, Hochleistungsoptik, Lasersystemen und Kryotechnik sowie in Plattformen wie Ionenfallen- und Neutralatom-Systemen. Skalierbare Plattformen, wettbewerbliche Pilotlinien und der gezielte Einsatz staatlicher Akteure als Ankerkunden können hier den entscheidenden Durchbruch ermöglichen.
- Mikroelektronik: Als Fundament nahezu aller Zukunftstechnologien ist die Mikroelektronik strategisch zentral, zugleich bestehen hohe Abhängigkeiten in globalen Lieferketten. Deutschland ist insbesondere bei Leistungselektronik und Halbleiter-Equipment stark, während neue Felder wie Chiplets, Photonik und Advanced Packaging bislang nur begrenzt industrialisiert sind. Die größten Chancen liegen nicht im Bau hochkomplexer Spitzenchips, sondern bei leistungsfähigen Industriechips, Chip-Bausteinen, neuen Verpackungs-technologien, photonischen Chips und neuartigen Speicher- und Logikansätzen. Wichtige Hebel sind hierbei spezialisierte Exzellenzcluster, eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Chipbereich und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.
- Biotechnologie: Trotz starker Industrie und Forschung bleibt das biotechnologische Potenzial in Deutschland bislang weitgehend ungenutzt. Fragmentierte Strukturen, regulatorische Hürden und fehlende Pilot- und Skalierungsinfrastrukturen bremsen den Transfer in die Anwendung. Abhilfe schaffen konkrete Umsetzungsfahrpläne, Biotech-Innovation-Hubs, KI-gestützte Translationszentren sowie schnellere und verlässliche Genehmigungs- und Zulassungsprozesse.
- Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung: In vielen Technologien für erneuerbare Energien hat Deutschland internationale Führungspositionen eingebüßt, in neuen Feldern wie industrieller Wärme und Kernfusion ist die globale Marktführerschaft jedoch noch offen. Forschung und eine breite industrielle Basis bieten hierfür eine vielversprechende Ausgangslage, um im klimaneutralen globalen Energieerzeugungsmarkt von über 570 Milliarden Euro im Jahr 2030 eine relevante Rolle spielen zu können.
- Klimaneutrale Mobilität: Die Transformation der Mobilität verändert zentrale industrielle Wertschöpfungsketten in Deutschland. Gleichzeitig drohen neue Abhängigkeiten, etwa bei Batterietechnologien und automatisierten Mobilitätssystemen. Zentrale Hebel sind die Stärkung der Batterie-wertschöpfung in Europa, die skalierte Einführung autonomer Systeme über verschiedene Verkehrsträger hinweg sowie der Aufbau eines Hyperloop-Industriesystems als neues Zukunftsfeld.

Die Analyse der sechs Technologiefelder identifiziert Faktoren, die darüber entscheiden, wie schnell neue Technologien in der Industrie ankommen und Wertschöpfung generieren. Zentrale Voraussetzung hierfür ist, dass Politik, Industrie, Wissenschaft, Start-ups und Kapital in Innovationsökosystemen eng zusammenarbeiten.

Staatliche oder industriegetriebene Referenzprojekte und Abnahmevereinbarungen sorgen für eine frühe verlässliche Nachfrage. So reduzieren sich Marktrisiken und der Übergang von der Pilotierung in industrielle Anwendungen wird deutlich leichter möglich. "HighTech aus Deutschland kann auch zukünftig globale Märkte erobern", sagt Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM. "Dazu braucht es viele Gründerinnen und Gründer, die schnell und ambitioniert innovative Produkte schaffen und industriell skalieren."

Schneller von der Pilotierung in den Echtbetrieb

Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist auch der Zugang zu Wachstumskapital über alle Entwicklungsphasen hinweg, insbesondere in der kapitalintensiven Skalierung. Um Innovationen nicht auszubremsen und Entwicklungszeiten zu verkürzen, sind schnelle, planungssichere und innovationsfreundliche regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich: klare Verantwortlichkeiten, schnelle Entscheidungen und eine wirksame Governance, die Prioritäten setzt, Fortschritte messbar macht und industrielle Entwicklung konsequent steuert. "Ob Deutschland im Technologiewettbewerb aufholt, entscheidet sich nicht bei der Idee, sondern bei der Translation und Skalierung", sagt Philipp Gerbert, CEO von TUM Venture Labs und Senior Partner Emeritus BCG, "Jetzt geht es darum, Deeptech-Innovationen schneller aus der Pilotphase in industrielle Anwendungen zu überführen." Andernfalls drohen zentrale Zukunftsmärkte und damit verbundene Wertschöpfung dauerhaft außerhalb Deutschlands zu entstehen.

Die vollständige Studie lesen Sie hier: Studie (https://wachstumspfade.bcg.com/home?utm_medium=website&utm_source=press_release&utm_campaign=wachstumspfade&utm_description=organic&utm_topic=hightech_agenda&utm_geo=ce&utm_content=)

Über die Studie

Die Studie "Wachstumspfade" analysiert, wie Deutschland seine wissenschaftliche Exzellenz und industrielle Stärke in den von der Hightech Agenda Deutschland priorisierten Schlüsseltechnologien wirksam in industrielle Wertschöpfung überführen kann. Grundlage der Analyse sind umfangreiche Markt- und Technologiestudien, die Auswertung von Unternehmens- und Investitionsdaten sowie leitfadengestützte Interviews mit über 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem Gründungsumfeld. Die wirtschaftliche Bedeutung der betrachteten Technologiefelder wird anhand eines einheitlichen Marktgrößenansatzes bewertet, der sowohl das globale Marktpotenzial (Total Addressable Market, TAM) als auch das unter realistischen Annahmen für deutsche Anbieter adressierbare Marktvolumen (Serviceable Addressable Market, SAM) berücksichtigt. Ergänzend analysiert die Studie internationale Wettbewerbspositionen, strukturelle Engpässe bei Umsetzung und Skalierung sowie zentrale Erfolgsfaktoren entlang der gesamten Wertschöpfung.

Die Studie wurde gemeinsam von der Boston Consulting Group (BCG), UnternehmerTUM und TUM Venture Labs erarbeitet. Sie richtet sich an Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie an Gründende und Kapitalgeber und versteht sich als analytische Grundlage für die Weiterentwicklung eines leistungsfähigen Innovations- und Skalierungsökosystems in Deutschland.

Über BCG

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran.

Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können. BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft - von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven - sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden - über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.

Weitere Informationen: www.bcg.de

Über UnternehmerTUM - Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung

Bei UnternehmerTUM werden Visionen zu Mehrwert. Unsere Teams befähigen innovationsbegeisterte Menschen zu unternehmerischem Handeln. Zusammen mit Start-ups und etablierten Firmen bringen wir Tech-Gründungen voran - von der ersten Idee bis zur marktführenden Position. Seit 2002 unterstützen wir mit der Technischen Universität München (TUM) und der Unternehmerin Susanne Klatten zukunfts-weisende Gründungen wie Celonis, Konux, und Isar Aerospace.

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Boston Consulting Group
Simona Gulich
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T + 49 151 10386025
simona.gulich(at)bcg.com


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Datum: 13.02.2026 - 11:09 Uhr
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