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Loyale Stromkunden zahlen 11 Mrd. Euro zu viel: Studie von Octopus Energy und RWTH Aachen deckt Preisdiskriminierung auf

ID: 2237458


(ots) -
- Studie kritisiert strukturelles "Anlocken und Abzocken" im Strommarkt - 11 Milliarden Euro "Treuestrafe" alleine im Jahr 2025
- Octopus Energy fordert Handeln von Politik und BNetzA: Transparenz und Preisdeckel

Treue Kund*innen werden im deutschen Strommarkt systematisch benachteiligt. Allein im Jahr 2025 haben Verbraucher*innen in Deutschland ca. 11 Milliarden Euro Treuestrafe gezahlt. Das zeigt eine Studie von Octopus Energy und der RWTH Aachen. Die RWTH hat dafür erstmals tausende Preisanpassungsschreiben privater Stromkund*innen ausgewertet.

Die Loyalitätsstrafe als struktureller Missstand

Dass Bestandskund*innen mehr für ihren Strom bezahlen, ist kein Geheimnis. Wie groß das Problem in Deutschland tatsächlich ist, war bisher aber schwer zu beziffern. Die Bestandskund*innen-Preise der Anbieter sind eine Blackbox. Die Studie liefert jetzt das erste Mal Zahlen und zeigt einen gravierenden Missstand im deutschen Strommarkt auf:


- 2025 waren bis zu 30 Millionen Haushalte von der Treuestrafe betroffen, das entspricht knapp drei Viertel aller Haushalte in Deutschland.
- Bestandskund:innen zahlen im Durchschnitt rund 13 ct/kWh höhere effektive Arbeitspreise als Neukund*innen, was einem durchschnittlichen Preisaufschlag von etwa 47 % entspricht.
- Anlocken & Abzocken hat System. Viele Kund*innen werden mit günstigen Einstiegstarifen gelockt. Doch bei 75 Prozent der untersuchten Verträge kommt es nach etwa 11 bis 14 Monaten zu einer Preisanpassung. Die Preise steigen dann im Schnitt um 19 bis 24 Prozent.
- Von insgesamt 11 Mrd. Euro Treuestrafe im letzten Jahr entfallen nur 4 Mrd. Euro auf Kund*innen in der Grundversorgung. Das zeigt auch, dass die fehlende Wechselbereitschaft nicht nur bei Kund*innen in der Grundversorgung hohe Kosten verursacht.
- Im Schnitt könnte jeder einzelne Haushalt davon 304 Euro (bei Haushalten mit wettbewerblichem Versorger) bis 492 Euro (bei Haushalten in der Grundversorgung) mit einem Anbieterwechsel sparen.





Die Energiekrise hat diese Schieflage deutlich verschärft. Vor 2021 lag die durchschnittliche Wechselersparnis zwischen 121 und 241 Euro. Heute ist sie fast dreimal so hoch - eine Rückkehr zum früheren Niveau ist auch drei Jahre nach der Krise nicht in Sicht.

Zugleich offenbart die Studie erhebliche Transparenzdefizite im Markt: Während sich Neukundentarife eng an den Entwicklungen an den Energiemärkten orientieren, steigen Bestandskundentarife häufig weitgehend unabhängig davon. Preisanpassungen werden oft pauschal mit "Beschaffung und Vertrieb" begründet - ohne klaren Bezug zur tatsächlichen Marktentwicklung.

Octopus Energy fordert entschiedenes Eingreifen von Politik und Aufsichtsbehörden

Während andere Länder wie Großbritannien oder Australien bereits gegen die Loyalitätsstrafe vorgehen, herrscht hierzulande bislang regulatorisches Schulterzucken, und das ausgerechnet in einem der Länder mit den höchsten Strompreisen weltweit. Wenn ein Markt Loyalität systematisch in diesem Ausmaß bestraft und gerade vulnerable Gruppen überdurchschnittlich belastet, darf der Staat nicht tatenlos bleiben.

Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany, sagt: "Der deutsche Strommarkt zerfällt immer mehr in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während Versorger sich für Neukunden mit negativen Margen unterbieten, werden loyale Kundinnen und Kunden ausgenommen. Das trifft leider oft genau die Menschen, die es sich am wenigsten leisten können. Die neuen Zahlen zeigen, das Problem ist nach der Energiekrise auf ein unzumutbares Level gewachsen und es hat System. Es reicht nicht mehr, regelmäßig zum Wechsel aufzurufen und die Verbraucher dann ihrem eigenen Schicksal zu überlassen. Wir brauchen einen Systemwandel."

Octopus Energy fordert deshalb:


- Festlegung eines Preisdeckels zur Verhinderung exzessiver Strompreise: Ein klar definierter Höchstpreis verhindert unverhältnismäßig hohe Tarife für wenig wechselaktive Kund*innen, ohne den Wettbewerb auszuschalten. Anbieter haben weiterhin tarifliche Freiheit, jedoch innerhalb fairer Grenzen und nicht auf Kosten einzelner Kundengruppen. Das entspricht dem Kern der Sozialen Marktwirtschaft.
- Transparenzoffensive gegen die Loyalitätsstrafe: Die Bundesnetzagentur muss Preisunterschiede zwischen Neu- und Bestandskund*innen systematisch erfassen und regelmäßig veröffentlichen. Nur vollständige Markttransparenz schafft öffentlichen Druck und ermöglicht wirksame Aufsicht.
- Reform der Grundversorgung für Wettbewerb statt Automatismus: Die Grundversorgung sollte regelmäßig ausgeschrieben werden, statt automatisch beim örtlichen Anbieter zu verbleiben. Echter Wettbewerb um die Grundversorgung senkt Margen, erhöht Effizienz und schützt Kund*innen vor dauerhaft überhöhten Preisen.

Die Studie finden Sie hier (https://publications.rwth-aachen.de/record/1029745), die visualisierten Ergebnisse hier (https://ese.eonerc.rwth-aachen.de/energy-app-octopus/).

Über Octopus Energy

Octopus Energy wurde 2016 mit der Vision gegründet, die Energiewende weltweit mithilfe von Technologie zu beschleunigen und schnellstmöglich einen großen, grünen Fußabdruck zu hinterlassen. Der seit 2020 in Deutschland aktive EnerTech-Player ist der am schnellsten wachsende Energieversorger Deutschlands mit über 1 Mio. Kunden und versorgt mittlerweile 10 Millionen Kunden weltweit. Weitere Informationen unter: www.octopusenergy.de (http://www.octopusenergy.de/)

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