52 Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Pharmaindustrie in Nordrhein-Westfalen / Chancenpapier aus Pharmadialog veröffentlicht

(ots) - Nach einem 18-monatigen intensiven Pharmadialog wurde heute durch die beteiligten Ministerinnen und Minister der Landesregierung sowie Vertreterinnen und Vertreter der pharmazeutischen Industrie ein Chancenpapier mit 52 konkreten Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Pharmaindustrie in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Ziel ist es, Nordrhein-Westfalen als herausragenden Standort für innovative und wissensbasierte Industrien weiterzuentwickeln und zusätzliche unternehmerische Initiativen in Pharmaforschung und -produktion anzureizen.
Das Chancenpapier zeigt auf, welche Maßnahmen auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene erforderlich sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der nordrhein-westfälischen Pharmaindustrie nachhaltig zu sichern und zugleich eine qualitativ hochwertige und sichere Arzneimittelversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur:
"Medikamente sind keine Luxusgüter - sie sind Daseinsvorsorge. Wer die Versorgung der Bevölkerung sichern will, braucht eine starke Pharmaindustrie im eigenen Land. Nordrhein-Westfalen hat dafür beste Voraussetzungen: exzellente Forschung, gewachsene Industriestrukturen und echte Stärken in Biotechnologie und personalisierter Medizin. Mit dem Chancenpapier setzen wir heute den Rahmen, damit diese Stärken nicht nur erhalten bleiben, sondern wachsen - und damit hier in NRW die Arzneimittel von morgen entwickelt und produziert werden."
Vor diesem Hintergrund versteht sich Nordrhein-Westfalen nicht nur als bedeutender Pharmastandort, sondern als aktive Umsetzungs- und Modellregion für eine moderne Pharma- und Gesundheitsindustriepolitik. Bundes- und europapolitische Reformansätze sollen frühzeitig aufgegriffen, praktisch erprobt und wirksam in den Standort Nordrhein-Westfalen übersetzt werden.
Auch aus gesundheitspolitischer Sicht kommt der Stärkung des Pharmastandorts eine zentrale Rolle zu. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann erklärt:
"Im Hinblick auf die geopolitische Weltlage birgt die enorme Abhängigkeit von Drittstaaten bei der Arzneimittelproduktion große Gefahren für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung - sowohl in der Regelversorgung als auch für die Krisenvorbereitung. Es muss uns daher gelingen, Produktionskapazitäten in Nordrhein-Westfalen und Deutschland dauerhaft zu halten und auszubauen. Genauso klar ist aber auch: Auch bei der Arzneimittelversorgung brauchen wir in der gesetzlichen Krankenversicherung stabile und verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. Und für eine langfristige Stabilisierung führt auch mit Blick auf die Arzneimittelversorgung kein Weg an der Wiedereinführung einer einnahmenorientierten Gesundheitspolitik vorbei. Dies kann am Ende den Pharmastandort Nordrhein-Westfalen sogar stärken: Wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und unnötige Bürokratie abschaffen, hilft das auch den pharmazeutischen Unternehmen. Ein starker Pharmastandort Nordrhein-Westfalen trägt zudem zur Wertschöpfung bei, schafft Arbeitsplätze und sorgt für Einnahmen in der Sozialversicherung. Gesundheit, Wirtschaft und Forschung müssen daher gemeinsam gedacht und gestaltet werden. Hier brauchen wir ein ganzheitliches Konzept."
Nordrhein-Westfalen zählt bereits heute zu den führenden Forschungsstandorten der Pharmaindustrie in Deutschland. Ein signifikanter Anteil der bundesweiten Investitionen in Forschung und Entwicklung entfällt auf NRW. Zwischen 2017 und 2021 meldeten pharmazeutisch tätige Unternehmen in Deutschland rund 4.300 Patente an - 17 Prozent davon entfielen auf Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Damit belegt NRW bundesweit den zweiten Platz hinter Hessen und unterstreicht seine besondere Stärke im Bereich Forschung und Entwicklung.
NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes:
"Nordrhein-Westfalen hat eine europaweit einmalig hohe Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das macht uns attraktiv für die klügsten Köpfe der Welt. Davon profitieren die Pharmaunternehmen ebenso wie alle Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind. Der schnelle Transfer von Pharma-Forschung im Labor zur Produktion im industriellen Maßstab macht Europa unabhängiger von Importen und kann das Leben schwerkranker Menschen retten. Der Pharmadialog ist ein wertvolles Format, den Forschungsstandort Nordrhein-Westfalen weiter zu stärken."
Im Mittelpunkt des Pharmadialogs stand die Frage, wie der Pharmastandort Nordrhein-Westfalen angesichts geopolitischer Risiken, steigender Produktionskosten und eines intensiven internationalen Wettbewerbs langfristig gestärkt werden kann. Dabei wurden sowohl regulatorische Rahmenbedingungen als auch Fragen der Forschungsförderung, der industriellen Wertschöpfung und der Versorgungssicherheit intensiv diskutiert.
Aus Sicht der forschenden Pharmaunternehmen sendet das Chancenpapier ein wichtiges Signal. Christian Lauterbach, Landesvorsitzender des vfa NRW und Geschäftsführer der Bayer Vital GmbH, erklärt:
"Forschungsintensive Pharmaunternehmen treffen ihre Investitionsentscheidungen im internationalen Wettbewerb. Das Chancenpapier zeigt, dass Nordrhein-Westfalen bereit ist, die notwendigen Rahmenbedingungen für Innovation, klinische Forschung und moderne Produktionsstandorte konsequent weiterzuentwickeln. Gleichzeitig droht auf Bundesebene der Standort Deutschland durch eine massive Überbelastung der Pharmaindustrie zur Stabilisierung der GKV geschwächt zu werden. Gemeinsames Ziel muss sein, die im Pharmadialog zugesagten Weichen für einen starken, international wettbewerbsfähigen Pharmastandort Deutschland zu stellen."
Auch Jörg Wolters, Landesvorsitzender des BPI NRW und Gesellschafter der Ruhrpharm AG, sieht in den Ergebnissen des Dialogs eine große Chance für den Standort:
"Ich bin beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit die beteiligten Ministerien diesen Dialog in NRW mitgestaltet haben und wie intensiv an den diskutierten Themenfeldern gearbeitet wurde. Die Ergebnisse können sich mehr als sehen lassen und machen mir als mittelständischem Unternehmer Mut, dass wir damit wirklich den Pharmastandort Nordrhein-Westfalen stärken können. Jetzt kommt es darauf an, die Handlungsempfehlungen auch in die Umsetzung zu bringen."
Hintergrund
Dem Chancenpapier ging ein 18-monatiger Pharmadialog voraus. Beteiligt waren die Pharmafachverbände BPI NRW, vfa und Pharma Deutschland NRW, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie weitere Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Forschung. In mehreren Arbeitsgruppen wurden die Inhalte gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie, dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft erarbeitet. Dabei wurden die Handlungsempfehlungen gezielt unter Berücksichtigung der landespolitischen Rahmenbedingungen entwickelt.
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Datum: 22.04.2026 - 12:57 Uhr
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