Zu viel Handy, zu wenig Fokus – warum Kinder das Konzentrieren neu lernen müssen
(ots) - Smartphones sind für viele Kinder längst Alltag – mit Folgen, die oft unterschätzt werden. Permanente Reize, schnelle Belohnungen und ständige Ablenkung verändern, wie Aufmerksamkeit überhaupt funktioniert. Konzentrationsphasen fallen zunehmend schwerer, selbst bei einfachen Aufgaben. Eltern und Schulen stehen damit vor einer neuen Herausforderung: Fokus ist keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern muss aktiv trainiert werden.
Kinder verlernen nicht das Denken. Vielen fällt es aber immer schwerer, konzentriert bei einer Sache zu bleiben. Genau das wird zur entscheidenden Fähigkeit für ihre Zukunft. Hier erfahren Sie, wie digitale Gewohnheiten die Konzentration beeinflussen und was Eltern konkret tun können, damit Kinder wieder leichter in den Fokus finden.
Warum Konzentration heute schwerer fällt
Digitale Medien prägen heute den Alltag vieler Kinder von morgens bis abends. Zwischen kurzen Videos, Spielen, Chats und wechselnden Inhalten entstehen ständig neue Reize. Aufmerksamkeit springt schnell weiter, während das Gehirn sich immer stärker an Tempo und unmittelbare Belohnung gewöhnt. Schule, Hausaufgaben und Lernen funktionieren jedoch nach anderen Regeln.
Denn Lernen braucht Zeit, Ruhe und die Fähigkeit, bei einer Sache zu bleiben. Kinder müssen Aufgaben Schritt für Schritt bearbeiten, kleine Fehler aushalten und sich auch dann weiter konzentrieren, wenn etwas nicht sofort spannend erscheint. Vielen fällt genau das zunehmend schwerer.
Dabei geht es nicht darum, digitale Medien grundsätzlich zu verteufeln. Smartphones und Tablets gehören längst zum Alltag. Entscheidend ist vielmehr, wie Kinder zwischen schnellen digitalen Reizen und ruhigeren Konzentrationsphasen wechseln können. Genau dieser Übergang gelingt vielen nicht mehr automatisch.
Kinder brauchen bewusste Übergänge
Viele Kinder kommen aus der Schule, greifen direkt zum Handy oder schauen Videos und sollen kurze Zeit später konzentriert Hausaufgaben machen. Für das Nervensystem bedeutet das einen abrupten Wechsel. Der Kopf bleibt innerlich auf schnelle Impulse eingestellt, obwohl nun ruhige Aufmerksamkeit gefragt ist.
Deshalb brauchen Kinder heute bewusste Übergänge zwischen Schule, Freizeit, digitalen Medien und Lernen. Konzentration entsteht nicht nur im Kopf. Sie entwickelt sich leichter, wenn Gehirn, Körper, und Nervensystem zusammenspielen.
Bewegung kann dabei ein wichtiger Einstieg sein. Kleine Bewegungsübungen, Balancieren, Hüpfen oder einfache Koordinationsaufgaben helfen vielen Kindern dabei, im eigenen Körper anzukommen und sich anschließend besser auf eine Aufgabe einzulassen.
Kleine Rituale schaffen Orientierung
Hilfreich sind außerdem feste und einfache Abläufe. Kinder profitieren davon, wenn das Lernen nicht plötzlich beginnt, sondern ruhig eingeleitet wird. Dafür braucht es meist keine aufwendigen Methoden. Oft genügen kleine Rituale im Alltag:
Erst kurz ankommen. Dann kurz bewegen. Danach klein starten.
Ein Glas Wasser trinken, einmal tief durchatmen, zwei Minuten Bewegung und anschließend mit einer kleinen Aufgabe beginnen – solche Abläufe geben Orientierung und reduzieren inneren Druck. Gleichzeitig entsteht eine klare Trennung zwischen Freizeit und Lernphase.
Viele Eltern erleben, dass ständige Aufforderungen wie „Konzentrier dich jetzt“ wenig verändern. Konzentration ist häufig keine reine Willensfrage. Kinder brauchen nicht noch mehr Druck, sondern Bedingungen, unter denen Fokus überhaupt entstehen kann.
Fokus entsteht nicht durch Druck
Dazu gehören ausreichend Bewegung, klare Strukturen, möglichst wenig parallele Reize und regelmäßige Phasen ohne Bildschirm. Vor allem aber brauchen Kinder Momente, in denen sie nicht sofort auf neue Impulse reagieren müssen.
In einer dauerhaft schnellen und digitalen Umgebung fällt es vielen Kindern schwer, innerlich zur Ruhe zu kommen. Umso wichtiger werden Situationen, in denen sie sich auf eine Sache konzentrieren, Aufgaben in ihrem eigenen Tempo bearbeiten und wieder lernen, bei etwas dranzubleiben.
Genau darin liegt heute eine wichtige Fähigkeit für Schule und Alltag. Wer Aufmerksamkeit bewusster steuern kann, entwickelt bessere Voraussetzungen für Lernen, Ruhe und Sicherheit im Umgang mit Herausforderungen. Kinder brauchen deshalb mehr denn je einen neuen Zugang zu Fokus, Bewegung, Ruhe und echter Lernfreude.
Über Marco Schnabl:
Marco Schnabl ist Gründer und Entwickler von body’n brain. Er übersetzt Wissen über Gehirn, Körper und Nervensystem in einfache, alltagstaugliche Übungen für Kinder, Erwachsene und Senioren. Mit über 23 Jahren Praxiserfahrung zeigt er, warum Lernen, Fokus und innere Stabilität nicht nur Kopfsache sind. Sein Leitgedanke: Der Mensch gehört wieder in den Mittelpunkt. Mehr Informationen unter: https://kindertrainer.info/
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Ruben Schäfer
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Datum: 22.06.2026 - 08:46 Uhr
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