EUDI-Wallet: Ein Schlüssel für effizientere Prozesse im Gesundheitswesen

(ots) - Der administrative Aufwand in Arztpraxen wächst seit Jahren und bindet wertvolle Ressourcen. Digitale Lösungen können dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten, medizinisches Personal zu entlasten und mehr Raum für eine patientenorientierte Versorgung zu schaffen. Damit durchgängig digitale Abläufe gelingen, reicht es jedoch nicht, einzelne Aufgaben, etwa Terminvereinbarungen, Formulare oder Überweisungen zu digitalisieren.
Entscheidend sind verlässliche Grundlagen: eindeutige Identifikation, sichere digitale Nachweise und interoperable Infrastrukturen. Denn Versichertendaten müssen korrekt zugeordnet, Berechtigungen geprüft und sensible Gesundheitsdaten kontrolliert weitergegeben werden können. An dieser Stelle setzt die EUDI-Wallet an. Als digitale Brieftasche für das Smartphone soll sie ab 2027 einen europaweit einheitlichen Rahmen für digitale Identitäten und Nachweise schaffen. Für das Gesundheitssystem eröffnet das die Möglichkeit, sichere Identitäten und vertrauenswürdige Nachweise in bestehende Infrastrukturen einzubinden - und digitale Prozesse einfacher, sicherer und nutzerfreundlicher zu gestalten.
Janina Buchholz ist Expertin für Digitale Identitäten bei der Bundesdruckerei. Sie hat im Rahmen von EU-Pilotprojekten für die Bundesregierung die Leitung der nationalen Expertengruppe bestehend aus Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Gematik GmbH und Redcare Pharmacy verantwortet. Zudem hat sie mit ihrem Team der Bundesdruckerei einen technischen Prototypen für die EUDI-Wallet entwickelt.
Frau Buchholz, was kann die EUDI-Wallet im Gesundheitswesen leisten?
In der Bundesdruckerei haben wir die gesamte Nutzerreise im Gesundheitswesen betrachtet, Potenziale der EUDI-Wallet identifiziert und diese Ende-zu-Ende prototypisch entwickelt - von der Anmeldung in der Arztpraxis über Telemedizin bis hin zur Einlösung von eRezepten. Versicherte registrieren sich dabei mittels EUDI-Wallet in der App ihrer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung. Anschließend laden sie ihre digitale Gesundheitsidentität samt Stammdaten in die Wallet und verifizieren sich per QR-Code oder NFC in der Arztpraxis. Die Versichertendaten werden sicher an das Praxisverwaltungssystem übertragen, können aber auch für eRezepte in Apotheken genutzt werden - sogar EU-weit. Entscheidend für uns als Technologieunternehmen des Bundes ist dabei neben der sicheren Datenübermittlung auch die nachhaltige Integration in die heterogene Systemlandschaft des Gesundheitswesens. Unser Prototyp zeigt, wie sich die EUDI-Wallet in die vorhandene Telematikinfrastruktur, Praxisverwaltungssyteme, Kartenlesegeräte und Konnektoren einbinden lässt - mit geringem Anpassungsaufwand und echtem Mehrwert für alle Beteiligten.
Welche konkreten Vorteile bietet die EUDI-Wallet im Praxisalltag gegenüber der heutigen Gesundheitskarte?
Digitale Identitäten sind zentraler Hebel für effizientere Prozesse und Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen, doch die bisherige Verbreitung nationaler Lösungen wie der GesundheitsID ist mit einstelliger Nutzungsquote sehr gering. Zugleich ist der Aufbau dieser Infrastruktur technisch und finanziell aufwendig und bislang nur begrenzt nutzerfreundlich.
Ab 2027 soll die EUDI-Wallet allen Bürgerinnen und Bürgern als kostenloses, interoperables und standardisiertes Identifizierungsmittel zur Verfügung stehen. Entlang der Versorgungskette integriert, kann sie medienbruchfreie und einheitliche Prozesse ermöglichen.
Für den Praxisalltag würde das bedeuten: Patientinnen und Patienten melden sich komfortabel per Smartphone an, Praxen sparen Zeit und arbeiten mit verifizierten Daten. Kostenträger senken Kosten und steigern ihre Effizienz - durch schlankere Infrastruktur und optimierte Prozesse.
Wie bleiben Datenschutz und Datensouveränität bei der Nutzung der Wallet gewährleistet?
Gerade im Gesundheitswesen ist Vertrauen entscheidend. Datenschutz und -souveränität sind wesentliche Prinzipien der EUDI-Wallet: Nutzende sollen ihre Daten stets selbstbestimmt weitergeben können. Verschlüsselung, Datenminimierung und der dezentrale Ansatz sollen sensible Informationen schützen. Der europäische Rechtsrahmen rund um eIDAS und DSGVO, einheitliche Zertifizierungsschemata sowie das zugrunde liegende Vertrauensmodell schaffen Sicherheit und Vertrauen.
Was ist mit Personen, die kein Smartphone besitzen?
Nicht jeder verfügt über ein Smartphone oder fühlt sich sicher im Umgang mit digitalen Anwendungen. Daher muss die EUDI-Wallet inklusiv gestaltet werden. Analoge Alternativen sollten weiterhin bestehen, um niemanden von der Versorgung auszuschließen.
Klar ist aber auch: Um die EUDI-Wallet entsteht ein Ökosystem, das Identifizierung und digitale Nachweise europaweit nutzbar macht. Mit jedem weiteren Anwendungsfall steigt die Attraktivität ihrer Nutzung - für Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Wirtschaft.
Mehr Informationen zur Bundesdruckerei unter: www.bundesdruckerei.de
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N: Marc Thylmann, Pressesprecher der Bundesdruckerei GmbH
T: +49 (0)30 25 98 - 28 10
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Datum: 25.06.2026 - 08:30 Uhr
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