IndustrieTreff - Interne EU-Dokumente decken den Einfluss der Agrarlobby auf die Tierschutzpolitik auf

IndustrieTreff

Interne EU-Dokumente decken den Einfluss der Agrarlobby auf die Tierschutzpolitik auf

ID: 2262666


(ots) - Wie die Tierindustrie EU-Tierschutzgesetze verhindert - während Millionen Tiere weiter in Käfigen leiden

Seit fünf Jahren verspricht die EU-Kommission einen schrittweisen Ausstieg aus der Käfighaltung. Ein verbindlicher Zeitplan oder konkrete Gesetzesvorschläge liegen bis heute nicht vor. Und das, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig belegen, wie leidvoll die Käfighaltung ist, und auch EU-Bürger*innen seit Jahren ein Verbot fordern. Was hält die Politik also vom Handeln ab? Eine Auswertung von Animal Equality zeigt jetzt, welche Rolle die Agrarlobby dabei spielt.

Bereits im Jahr 2023 soll European Livestock Voice (ELV) - eine Interessengruppe der europäischen Nutztierhaltung - "privilegierte Kanäle" zu Kommissionsvertreter*innen "auf hoher Ebene" genutzt haben, um die wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie durchzusetzen - das berichteten die Investigativjournalist*innen von Lighthouse Reports. European Livestock Voice ist ein Zusammenschluss der mächtigsten Lobbyverbände der Tierhaltungsindustrie. Mit diesem Einfluss soll ELV das von der EU-Kommission versprochene und geplante Verbot der Käfighaltung blockiert haben.

Animal Equality hat durch einen Antrag auf Informationsfreiheit aufgedeckt: Dasselbe Bündnis wirkte auch nach 2023 intensiv auf die EU-Kommission ein. Die Tierschutzorganisation hat Einsicht in interne Dokumente angefragt, die den Kontakt zwischen ELV und EU-Landwirtschaftskommissar Hansens Kabinett belegen - sie geben Einblicke in die Inhalte und Themen. Nachdem die Agrarlobby ihre Empfehlungen geäußert hatte, fanden sich diese Monate später in der politischen Agenda der EU-Kommission wieder - während seit Jahren versprochene Tierschutzgesetze weiter auf sich warten lassen. Derweil leiden rund 300 Millionen Schweine, Hühner, Kaninchen und andere Tiere in der EU in Käfigen, die oftmals kaum größer sind als ihre eigenen Körper. Den Tieren wird jede Möglichkeit genommen, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.





Chronologie der Einflussnahme

20. Dezember 2024 - Brief der ELV: Gerade einmal drei Wochen nach Hansens Amtsantritt als EU-Landwirtschaftskommissar schickte die European Livestock Voice einen Brief an das Kabinett des Kommissars. Er wurde unterzeichnet von acht großen Branchenverbänden, darunter AVEC (Geflügelindustrie), Euro Foie Gras (Stopfleber), UECBV (Fleischindustrie) und Fur Europe (Pelzindustrie).

Was die Agrarlobby darin unter anderem empfiehlt:


- Umfassende sozioökonomische Folgenabschätzungen müssten als "kritischer erster Schritt" vor jeder neuen Tierschutzgesetzgebung durchgeführt werden - mit Fokus auf die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Industrie
- Lange Übergangsfristen für neue Regelungen
- Finanzielle Unterstützung für die Branche und mehr Förderung von Tiergenetik und "Effizienz-Technologien"
- Widerstand gegen Ernährungsempfehlungen, die vom Konsum tierischer Produkte abraten, und Schutz vor Maßnahmen, die die "wirtschaftliche Rentabilität" der Tierhaltungsindustrie gefährden könnten

19. Februar 2025 - EU veröffentlicht Vision für Landwirtschaft und Ernährung: Knapp zwei Monate nach dem Industrie-Brief präsentierte Kommissar Hansen die EU-Vision. Darin enthalten: wirtschaftliche Folgenabschätzungen, lange Übergangsfristen und die Betonung der "Lebensfähigkeit" der Tierhaltungsindustrie - zentrale Punkte, die die Lobby zuvor empfohlen hatte.

30. April 2025 - Treffen zwischen ELV und Kabinett: Das im Dezember beantragte Treffen zwischen ELV und Hansens Kabinett fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Kommission ihre Nutztierstrategie (Livestock Strategy) weiter ausarbeitete und sie konkrete Gesetzesvorhaben vorbereiten sollte.

21. Oktober 2025 - EU-Arbeitsprogramm 2026 ohne Tierschutzgesetze: Die EU-Kommission veröffentlichte ihr Arbeitsprogramm für 2026 ohne Pläne für eine legislative Revision der EU-Tierschutzgesetzgebung. Stattdessen kündigte sie nur eine nicht-legislative Livestock Strategy für das zweite Quartal 2026 an. Die seit Jahren versprochenen Gesetze zum Verbot von Käfighaltung wurden erneut verschoben.

7. Juli 2026 - Nutztierstrategie mit vagen Tierschutz-Versprechen: Die EU-Kommission legte ihre "Livestock Strategy" vor. Der Fokus: "Widerstandsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit" der Tierhaltungsindustrie. Tierschutz kommt vor, aber nur als eine von fünf Prioritäten und ohne konkrete Zeitpläne. Die Kommission kündigt Gesetzesvorschläge an und verspricht "gezielte Revisionen" der Tierschutzstandards für Legehennen, Masthühner und Schweine - "evidenzbasiert und begleitet von angemessenen Übergangsfristen und finanzieller Unterstützung".

Die konkreten, verbindlichen Tierschutzgesetze lassen weiter auf sich warten. Wann sie kommen und ob sie das endgültige Verbot von Käfighaltung bringen werden, bleibt offen.

"Die Dokumente zeigen: Wirtschaftsinteressen haben Vorrang vor Tierschutz. Während die EU-Kommission der Agrarlobby privilegierten Zugang gewährt, leiden 300 Millionen Tiere weiter in Käfigen. Millionen Bürgerinnen und Bürger haben ein Käfigverbot gefordert - doch konkrete Gesetze lassen weiter auf sich warten."

- Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland

Mit zahlreichen Protestaktionen, einem von EU-Bürger*innen unterzeichneten Offenen Brief und einem von hochkarätigen Expert*innen unterstützten Tierschutzappell hat Animal Equality in den vergangenen Monaten unter anderem ein Verbot der Käfighaltung gefordert. Die Kampagne "EU-Tierschutzreform - jetzt" geht weiter, bis die EU-Kommission ein Käfigverbot durchsetzt.

Wir stehen Ihnen jederzeit für weitere Informationen und Gespräche zur Verfügung. Wenden Sie sich gerne an unseren Pressekontakt Till Hartmann via E-Mail an presse(at)animalequality.de oder melden Sie sich telefonisch unter +49 (0)176 3004 0892.

Fotos und weitere Informationen:


- Pressekit (https://drive.google.com/drive/folders/1UEB0XhE5760GohBP54EtjRf12uIpw1bP?usp=drive_link)
- Anfrage im Rahmen der Informationsfreiheit von Animal Equality an die EU-Kommission (https://www.asktheeu.org/request/documents_of_commissioner_christ?nocache=incoming-65004#incoming-65004)
- Brief der European Livestock Voice an Kommissar Hansen vom 20. Dezember 2024 (https://igualdadanimal.org/app/uploads/2026/07/23.3-LETTER-and-MEETING-REQUEST-the-European-Livestock-Voice-Partners-regarding-the-contribution.pdf)
- Vision der EU-Kommission für Landwirtschaft und Ernährung vom 19. Februar 2025 (https://agriculture.ec.europa.eu/overview-vision-agriculture-food/vision-agriculture-and-food_de)
- Nutztierstrategie der EU-Kommission vom 07. Juli 2026 (https://ec.europa.eu/transparency/documents-register/detail?ref=COM(2026)576&lang=de)
- Kampagne von Animal Equality: "EU-Tierschutzreform - jetzt" (https://animalequality.de/kampagne/kaefige/europaeische-kommission/)
- Artikel von Lighthouse Reports zum politischen Einfluss von ELV (2023) (https://www.lighthousereports.com/investigation/animal-welfare-wrecked/)

Bildnachweis: Animal Equality / Abbildungen beispielhaft. Nur für redaktionelle Berichterstattung im Zusammenhang mit der Kampagne "EU-Tierschutzreform - jetzt" von Animal Equality.

###

Über Animal Equality

Animal Equality wurde 2006 von Sharon Núñez, Javier Moreno und Jose Valle in Spanien gegründet und ist heute eine der weltweit effektivsten Tierschutzorganisationen. Gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen arbeiten wir in acht Ländern auf vier Kontinenten für eine Welt, in der alle Tiere respektiert und vor Ausbeutung geschützt werden. Zudem unterstützt Animal Equality mit der Plattform Love Veg (https://loveveg.de/) zahlreiche Menschen bei ihrer Ernährungsumstellung und bietet unter anderem kostenfreie pflanzliche Kochbücher an. Animal Equality setzt sich durch Aufklärungsarbeit, Unternehmenskampagnen und die Veröffentlichung von Undercover-Recherchen dafür ein, die Grausamkeit gegenüber landwirtschaftlich genutzten Tieren zu beenden. Ebenso strebt Animal Equality Fortschritte für Tiere auf rechtlicher Ebene an.

Pressekontakt:

Animal Equality Germany e.V.
Till Hartmann
presse(at)animalequality.de
+49 (0)176 30040892


Original-Content von: Animal Equality Germany e.V., übermittelt durch news aktuell


Themen in dieser Meldung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:



Leseranfragen:



Kontakt / Agentur:



drucken  als PDF  an Freund senden  Wenn Ergonomie mehr leistet als Komfort: Wie LIPA mit Treston inklusive Arbeitsplätze in der Produktion realisiert
Ein elitäres Verfahren-
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 16.07.2026 - 10:54 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2262666
Anzahl Zeichen: 0

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Brüssel/Berlin


Telefon:

Kategorie:

Industrie


Anmerkungen:


Diese HerstellerNews wurde bisher 0 mal aufgerufen.


Die Meldung mit dem Titel:
"Interne EU-Dokumente decken den Einfluss der Agrarlobby auf die Tierschutzpolitik auf
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Animal Equality Germany e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Alle Meldungen von Animal Equality Germany e.V.