IndustrieTreff - Europäische Chemieindustrie: Umsatzsteigerung von 25 Milliarden Euro durch verbesserte Zusammenarbe

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Europäische Chemieindustrie: Umsatzsteigerung von 25 Milliarden Euro durch verbesserte Zusammenarbeit entlang der Lieferkette

ID: 657228

(ots) - A.T. Kearney, CHEManager Europe und die
Westfälische Wilhelms-Universität Münster untersuchen
Kunden-Lieferantenverhältnis in der europäischen Chemieindustrie -
Schwerpunktthema Kooperation

Die Nachfrage nach Chemieprodukten ist in den vergangenen zwölf
Monaten um bis zu 10 Prozent gestiegen und wird sich weiter moderat
positiv entwickeln. Die Rohstoffpreise werden dieser Entwicklung
folgen. Auch hier ist ein Preisanstieg von bis zu zehn Prozent zu
erwarten. Trotzdem wird ein erhöhtes Maß an Volatilität den Markt
prägen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der
Unternehmensberatung A.T. Kearney, CHEManager Europe und der
Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Sie wurde in den Monaten
März und April unter über 150 Führungskräften aus Chemie- und
Kundenindustrien aus 15 europäischen Ländern, den USA und China
durchgeführt. Zur Verbesserung der Wettbewerbsposition empfiehlt sich
eine intensivere Kooperation entlang der gesamten Lieferkette. Die
Hälfte der Chemieunternehmen (48 Prozent) und etwas mehr als die
Hälfte der Kunden (57 Prozent) verspricht sich davon ein Umsatzplus
von 2 bis 4 Prozent. Umgerechnet auf den Umsatz von 600 Milliarden
Euro, den die europäische Chemieindustrie jährlich erzielt, bedeutet
dies mittel- bis langfristig ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 12
bis 25 Milliarden Euro. Als wesentlichen Treiber nennen die
Chemieunternehmen ihre Kunden, das stärkste Hemmnis besteht im nicht
verfügbaren oder nicht entsprechend qualifizierten Personal.

Die Mehrheit der Studienteilnehmer vermeldete für die letzten
zwölf Monate eine steigende Nachfrage nach ihren Produkten,
allerdings sei das Wachstum geringer ausgefallen als im
Vorjahreszeitraum. Etwa jeder zweite Befragte verzeichnete einen
Nachfrageanstieg von bis zu zehn Prozent. Dieser Trend wird sich




fortschreiben: Mehr als zwei Drittel der Befragten erwarten für die
nächsten 12 Monate moderates Wachstum in der gleichen Größenordnung.

Eine ähnliche Entwicklung wird für die Rohstoffpreise
prognostiziert. Mehr als die Hälfte der befragten Chemieunternehmen
rechnet in den nächsten 12 Monaten mit einem Preisanstieg bei
Rohstoffen von maximal 10 Prozent. Damit hat sich die Lage gegenüber
dem Vorjahr etwas entspannt.

Dr. Tobias Lewe, Partner in der Chemie und Öl Practice von A.T.
Kearney, erläutert: "Trotz der aktuell vergleichsweise positiven
konjunkturellen Lage besteht kein Zweifel daran, dass die Märkte für
Chemieprodukte in Zukunft einer erhöhten Volatilität unterliegen
werden." Während die Chemieunternehmen Chancen und Risiken einer
erhöhten Volatilität allerdings für ausgewogen erachten, stehen für
mehr als die Hälfte der Kunden (55 Prozent) die Risiken im
Vordergrund.

Zusätzliche Milliardenumsätze durch verbesserte Kooperation

"Um erfolgreich im Markt zu bestehen und auch bei steigender
Volatilität und zunehmender Unsicherheit weiter nachhaltig wachsen zu
können, kommt es für Unternehmen jetzt darauf an, Geschäftsmodell und
Wertschöpfungskette genau auf den Prüfstand zu stellen und intensiv
über eine verstärkte Zusammenarbeit entlang der Lieferkette
nachzudenken", so Lewe weiter.

Das Potenzial ist enorm. So ergab die Befragung, dass sich die
Hälfte der Chemieunternehmen (48 Prozent) und etwas mehr als die
Hälfte der Kunden (57 Prozent) von einer verstärkten Zusammenarbeit
entlang der Lieferkette ein Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent
versprechen. "Umgerechnet auf den Umsatz von 600 Milliarden Euro, den
die europäische Chemieindustrie jährlich erzielt, bedeutet dies
mittel- bis langfristig ein zusätzliches Umsatzpotenzial von 12 bis
25 Milliarden Euro", erklärt Lewe.

Darüber hinaus erwartet nahezu die Hälfte der Chemieunternehmen
(47 Prozent) sowie knapp zwei Drittel der Kunden (64 Prozent), dass
eine verstärkte Zusammenarbeit zu Kostenvorteilen von 2 bis 4 Prozent
führen kann.

Darin, dass das Thema Kooperation von zunehmender Bedeutung ist,
sind sich die Studienteilnehmer einig. 90 Prozent der
Chemieunternehmen gehen davon aus, dass die Zusammenarbeit mit ihren
Kunden in fünf Jahren "hoch" oder "sehr hoch" sein wird (heute: 74
Prozent). Die befragten Kunden bestätigen dies: Die Zusammenarbeit
mit ihren Lieferanten werde in fünf Jahren "hoch" oder "sehr hoch"
sein, sagen 82 Prozent von ihnen (heute: 55 Prozent).

Größter Treiber für mehr Kooperation: die Kunden

Befragt nach den Treibern für eine verstärkte Zusammenarbeit, gab
jedes zweite Chemieunternehmen seine Kunden als wesentlichen Faktor
an. Rund jedes vierte Chemieunternehmen (28 Prozent) nannte die
Notwendigkeit, sich mit Partnern zusammenzuschließen, um den
langfristigen Veränderungen des Ökosystems besser begegnen zu können.
Dazu zählt etwa die Entwicklung von neuen Energieeffizienz- oder
Energiespeicherlösungen. An dritter Stelle (26 Prozent) folgen
schließlich interne Optimierungspotenziale, die nicht allein
erschlossen werden können.

Größtes Hindernis: die Mitarbeiter

Das größte Hindernis für eine engere Zusammenarbeit liegt im
Bereich der Mitarbeiter - entweder weil nicht genügend Fachkräfte
vorhanden sind oder aber diese nicht die erforderliche Qualifikation
haben. "Angesichts des heute schon vielfach zu beobachtenden
Fachkräftemangels wird es zunehmend schwierig werden, die vorhandene
Managementkompetenz mengenmäßig auszubauen oder um die neu
erforderlichen Qualifikationen zu erweitern", sagt Robert Renard,
Senior Consultant in der Chemie und Öl Practice von A.T. Kearney. Um
dem entgegenzuwirken und zügig von den Potenzialen einer verstärkten
Zusammenarbeit zu profitieren, so Renard weiter, sei es sinnvoll,
sich auf einige wenige strategische Top-Partnerschaften zu
konzentrieren, statt gefangen zu sein in einem komplexen und
langsamen Transformationsprozess, an dem mannigfaltige Partner
beteiligt sind.

Laut der befragten Studienteilnehmer stellt mangelndes Vertrauen
in externe Parteien das zweitwichtigste Hemmnis für mehr Kooperation
dar (32 Prozent). Erschwert wird sie außerdem durch eine ineffiziente
Steuerung, so ein Viertel der Teilnehmer.

Verbesserungsbedarf an der Kundenschnittstelle

Danach befragt, was sie heute schon tun, um ihre Kundenbeziehungen
zu stärken, gaben 73 Prozent der Chemieunternehmen an, an ihrem
Preis-Leistungs-Verhältnis zu arbeiten. Dieser Aspekt hat auch für
Kunden eine große Bedeutung und rangiert unter den Top-Drei ihrer
Prioritätenliste. Darüber hinaus allerdings engagieren sich
Chemieunternehmen stark in Bereichen, die für ihre Kunden nur eine
untergeordnete Rolle spielen, wie etwa die Entwicklung von
maßgeschneiderten Service-Angeboten oder die Verbesserung der
Effizienz des Verkaufspersonals. Was Kunden eigentlich wollen, ist
ein beschleunigter Innovationsprozess (73 Prozent) und Exzellenz in
allen Prozessen (70 Prozent).

Ein Missverhältnis zwischen den Bemühungen der Chemieunternehmen
und den Anforderungen ihrer Kunden besteht auch bei den
Kaufkriterien. Nicht erkannt wird von Chemieunternehmen vor allem die
Bedeutung, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit für ihre Kunden
spielen.

Mehr Innovationssprünge gewünscht

Wie bereits 2011 konzentrieren sich die europäischen
Chemieunternehmen bei ihren Innovationsbemühungen darauf, als
Innovationsführer innerhalb der Branche wahrgenommen zu werden (78
Prozent) sowie neue Produkteigenschaften (72 Prozent) zu entwickeln.
Um die Entwicklung neuer Produkte bemühen sich nur 37 Prozent der
befragten Hersteller, während sie jedoch von mehr als zwei Dritteln
der Kunden nachgefragt werden.

Dieses Dilemma spiegelt sich in den gesunkenen Ausgaben für
Innovation. Zwar ist der Anteil an Chemieunternehmen, der mehr als
zehn Prozent des Umsatzes für Innovation ausgibt, im Vergleich zu
2011 stabil geblieben; der Anteil, der fünf bis zehn Prozent ausgibt,
hat sich indes halbiert. Und während 2011 nahezu kein Unternehmen
weniger als zwei Prozent für Innovation ausgegeben hat, ist dieser
Anteil nun auf 15 Prozent angewachsen.

Lewe erklärt: "Die Innovationsleistung vieler europäischer
Chemieunternehmen ist hinter den Erwartungen der Kunden
zurückgeblieben. Das gilt vor allem für den zunehmenden Wunsch der
Kunden nach bahnbrechenden Innovationen, wie etwa neue,
differenzierende Produkte oder Technologiesprünge. Statt diese zu
liefern, haben die Chemieunternehmen ihr Innovationsbudget gekürzt
und sich darauf konzentriert, ihre Innovationseffizienz zu
verbessern. Eine intensivere Kooperation entlang der gesamten
Lieferkette wird sehr hilfreich dabei sein, die verfügbaren Mittel
für Innovation an den richtigen Stellen auszugeben."

Chemical Customer Connectivity Index

Zum sechsten Mal haben die Unternehmensberatung A.T. Kearney,
CHEManager Europe und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster
(Institut für betriebswirtschaftliches Management im Fachbereich
Chemie und Pharmazie) das Kunden-Lieferanten-Verhältnis in der
europäischen Chemieindustrie analysiert. Beteiligt haben sich
Top-Manager von Chemieherstellern und Unternehmen verschiedener
Kundenindustrien aus 15 europäischen Ländern sowie aus den USA und
China. Bei den Kundenindustrien finden sich zahlreiche Branchen
abgedeckt, von der Automobil- über die Lebensmittel- bis hin zur
Kosmetikindustrie.



Pressekontakt:
A.T. Kearney GmbH
Marketing and Communications
Meike Fuhlrott
Tel. 0211 1377-2275
Mail: meike.fuhlrott(at)atkearney.com


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Datum: 12.06.2012 - 11:17 Uhr
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