IndustrieTreff - Powern Hörgeräte-Batterien zukünftig unsere Elektroautos?

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Powern Hörgeräte-Batterien zukünftig unsere Elektroautos?

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RWE Innogy investiert 5,5 Millionen Euro in den norwegischen Batterie-Entwickler ReVolt. Das Unternehmen setzt auf Zink-Luft-Batterien, die bisher allenfalls in Hörgeräten eingesetzt wurden.


(industrietreff) - Bonn (Strom-Prinz.de) - Eine vergleichsweise alte Batterie-Technologie scheint jetzt zu neuen Ehren zu kommen. Die Zink-Luft-Batterie wurde vor allem aufgrund des Rohstoffmangels nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Heute bietet sie als Knopfzelle durch ihre besonders hohe Energiedichte und eine annähernd waagerechte Entladungskurve die optimale Stromversorgung - bisher allerdings nur für Hörgeräte.

Mischung aus Brennstoffzelle und Batterie
Traditionelle Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) sind weit verbreitet und finden heute von der elektrischen Zahnbürste bis hin zum Hybridfahrzeug Toyota Prius Einsatz. Auch der Lithium-Ionen-Akku (Li-Ion) ist aufgrund seiner hohen Energiedichte und dem fehlenden Memory-Effekt aus keinem modernen Handy oder Laptop mehr wegzudenken. Allerdings sind die Techniker der norwegischen ReVolt Technology AS der Auffassung, dass das Potenzial diese Technologien nahezu ausgereizt ist. Neue Lösungen auf Basis von Brennstoffzellen, bei denen elektrische Energie nicht gespeichert sondern z.B. aus Wasserstoff gewandelt wird, konnten sich bisher auch noch nicht durchsetzen. Daher ist ReVolt der Überzeugung, dass die Zukunft in einer Kombination aus Batterie- und Brennstoffzellen-Technologie liegt: Zink-Luft-Batterien.

Nachteile verhinderten Durchbruch
Bisher führte die Zink-Luft-Technologie ein Nischendasein. Haupthindernis für eine weitere Verbreitung war der Umstand, dass es sich um eine Primärzelle handelt - eine Einweg-Batterie also. Ein Wiederaufladen war nicht, oder nur technisch aufwendig möglich. Zudem müssen herkömmliche Zink-Luft-Batterien, nachdem der Oxidationsprozess z.B. durch Entfernen eines Siegels in Gang gesetzt wurde, in der Regel innerhalb weniger Wochen aufgebraucht werden.

Technologischer Meilenstein
Diese Schwachpunkte will ReVolt nun durch den patentierten Aufbau und die Materialkombination ihrer neuartigen Metall-Luft-Zellen überwunden haben. Die neue Technologie verspricht, bei vergleichbarer Kostensituation, eine zwei- bis dreimal höhere Energiedichte als Li-Ion-Akkus. Gute Nachricht für die Entwickler der immer leistungshungrigeren Smartphones und Laptops. Bei gleicher Baugröße und Gewicht verdoppelt sich so die Arbeitszeit mobiler Elektronikgeräte. Die Gesamt-Akku-Lebensdauer scheint man durch eine Stabilisierung der chemischen Reaktion ebenfalls in den Griff bekommen zu haben. Hinzu kommen die übrigen Vorteile der Zink-Luft-Technologie:




o Rohstoffverfügbarkeit - die Zinkproduktion beträgt 12 Mio. t/Jahr gegenüber jährlich nur 0,015 Mio. t Lithium
o Sicher - die chemische Reaktion limitiert sich selbst, keine der Batterie-Komponenten ist brennbar
o Umweltfreundlich - alle eingesetzten Materialien sind nicht toxisch

5,5 Mio von RWE Innogy
Anscheinend hat das Konzept von ReVolt die Essener RWE Innogy so überzeugt, dass sie jetzt 5,5 Mio. Euro in die norwegische Technologiefirma mit Hauptsitz in Staefa/Schweiz investiert haben. Die grüne RWE-Tochter sichert sich so eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen.

Einsatz im Elektroauto
Auch wenn ReVolt sich zunächst auf den Bereich der Consumer Electronics konzentriert, hat man den Einsatz der Zink-Luft-Akkus in einem Hybrid- oder Elektroauto fest im Blick. In dieser Branche rumort es derzeit wie nie zuvor. Experten schätzen, dass es 2015 neben weltweit 290 Mio. Fahrzeugen mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren bereits rund 10 Mio. Elektroautos geben werde. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Die große Frage ist: mit welcher Akku-Technologie? So benötigt der Tesla-Roadster im Kleid einer Lotus Elise sagenhafte 6.831 Li-Io Laptop-Akkus, um seine 252 PS zu produzieren. Die Li-Ion-Akkus des Tesla müssen aufgrund der Überhitzungsgefahr ständig über ein ausgeklügeltes System aus Wasser- und Luftkühlung auf einer Temperatur zwischen 18 und 25 Grad gehalten werden - im Sommer wie im Winter. Der Einsatz der Zink-Luft-Technologie könnte zumindest verhindern, dass wir zukünftig neben einem Führerschein auch noch eine Genehmigung für Gefahrenguttransporte benötigen.


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Datum: 30.01.2009 - 15:57 Uhr
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