50 Jahre nach ?Stummer Frühling?: Pestizideinsatz weiterhin zu hoch, viele Vogelarten gefährdet
50 Jahre nach "Stummer Frühling": Pestizideinsatz weiterhin zu hoch, viele Vogelarten gefährdet
(pressrelations) -
Berlin: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) haben vor dem weiteren Rückgang der Vogelpopulationen in Regionen mit intensiver Landwirtschaft gewarnt. "50 Jahre nach Veröffentlichung des Buches `Stummer Frühling`, in dem die amerikanische Autorin Rachel Carson das von Agrarchemikalien ausgelöste Vogelsterben beschreibt, ist der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft immer noch viel zu hoch", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Künftig müsse dem Arten- und Flächenschutz mehr Gewicht beigemessen werden. Erforderlich sei die drastische Reduzierung des Pestizideinsatzes, der zwischen 1994 und 2010 um ein Drittel auf derzeit rund 40000 Tonnen im Jahr angestiegen sei. Besonders bedenklich seien neuartige Insektenvernichtungsmittel wie die Neonikotinoide, die schon in kleinsten Mengen hochgiftig auf Insekten wirkten und so die Nahrungsgrundlage der Vögel zerstörten.
"Der Warnruf von Frau Carson ist nach wie vor aktuell. Die intensive und industrielle Landwirtschaft hat dramatische Auswirkungen auf die Artenvielfalt. Wo in Deutschland großflächig Pestizide eingesetzt werden, sind Kiebitze, Rebhühner, Lerchen und Kuckucke extrem gefährdet", sagte der BUND-Vorsitzende. Die anstehende EU-Agrarreform müsse dazu beitragen, Monokulturen zurückzudrängen und Feuchtwiesen, Hecken und Blühstreifen an den Feldrainen zu erhalten.
"Der Verlust von Lebensräumen und der Pestizideinsatz in den ausgeräumten großflächigen Agrarlandschaften Deutschlands verursachen den Rückgang der Vogelpopulationen", sagte Martin Flade vom DDA. So habe sich der Bestand der vom Pestizideinsatz besonders betroffenen Agrarvögel in den letzten 20 Jahren halbiert. Besonders drastisch sei der Einbruch bei Rebhühnern. Deren Bestand habe sich bundesweit seit Anfang der 90er Jahre um 90 Prozent verringert. Auch Wiesenpieper und Kiebitze hätten deutliche Bestandseinbrüche von jeweils rund 80 Prozent zu verzeichnen. Der Bestand an Haubenlerchen habe sich halbiert und bei Kuckucken betrage der Rückgang rund ein Viertel.
"Künftig müssen zehn Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche als ökologische Vorrangflächen ohne Pestizideinsatz ausgewiesen werden. Nur so lässt sich das Vogelsterben in den Agrarregionen stoppen", sagte Flade. Besonders hilfreich sei auch eine Ausweitung des Ökolandbaus in Kombination mit Artenschutzmaßnahmen. In Gebieten mit einem großen Anteil ökologisch wirtschaftender Betriebe wie beispielsweise im Brandenburger Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin oder im Spreewald wiesen die Vogelbestände einen positiven Trend auf.
Die Verbände forderten Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, die besonders gefährliche Pestizidklasse der Neonikotinoide umgehend zu verbieten. Ein Verbot dieser Pestizide sei ohne weiteres möglich, da es Alternativen gebe. Dazu gehörten Maßnahmen zur biologischen Schädlingsbekämpfung und die Anwendung intelligenter Fruchtfolgen.
Ein BUND-Hintergrundpapier zu Pestiziden und Vogelsterben sowie druckbare Grafiken zum Thema finden Sie im Internet unter: www.bund.net/pdf/stummer_fruehling
Pressekontakt: Tomas Brückmann, BUND-Pestizidexperte, Tel. 030-27586-420, E-Mail: tomas.brueckmann(at)bund.net; DDA-Experte Dr. Martin Flade, Tel. 033362-70123; E-Mail: flade(at)dda-web.de bzw. Almut Gaude, BUND-Pressereferentin, Tel. 030-27586-464/-489, E-Mail: presse(at)bund.net, www.bund.net
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Datum: 12.09.2012 - 11:43 Uhr
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