Drahtseilakt beim Thunfisch-Gipfel
Drahtseilakt beim Thunfisch-Gipfel
(pressrelations) -
WWF: "Fangquoten einfrieren, um Hoffnungsschimmer nicht zu gefährden"
Wendet sich das Blatt für den "Torpedo der Meere"? Zum ersten Mal in anderthalb Jahrzehnten konnten Wissenschaftler Anzeichen für eine Bestandserholung des stark gefährdeten Blauflossenthunfischs im Mittelmeer vermelden. Gleichzeitig fordern Wissenschaftler und Naturschützer, die Fangmengen trotzdem nicht zu erhöhen. Über die Fangmengen für 2013 wird am Montag nach einwöchiger Beratung der Internationalen Kommission für die Erhaltung des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) in Marokko entschieden. "Die anstehenden Entscheidungen sind ein Drahtseilakt. Denn es geht nicht um Entwarnung, sondern um den ersten, zarten Hoffnungsschimmer nach jahrzehntelanger, systematischer Überfischung", verdeutlicht Karoline Schacht, Fischereiexpertin beim WWF. "Diese Chance darf man jetzt nicht sofort wieder im Keim ersticken." Der WWF ruft die ICCAT-Vertragspartner Japan, USA, Kanada, China und die Europäische Union auf, die jährliche Fangmenge für drei Jahre bei den derzeit geltenden 12.900 Tonnen einzufrieren, damit sich der Bestand des Ostatlantischen Blauflossenthunfisches von der Überfischung erholen kann. Im Vorfeld des Treffens war die EU-Kommission durch Fischereinationen wie Spanien und Italien unter Druck geraten. Diese wollten auf Basis der beobachteten Erholungsanzeichen die Jahresfangmenge auf 13.500 Tonnen erhöhen.
Zwischen 1997 und 2007 war der Bestand um 60 Prozent eingebrochen. Im Mittelmeerraum, einem der wichtigsten Laichgründe des Atlantischen Blauflossenthunfischs, stand die Art an der Schwelle zur Ausrottung. Blauflossenthunfische werden spät geschlechtsreif und vermehren sich nur langsam. In den vergangenen Jahren hatte ICCAT nach jahrelangen Druck aus Reihen der Umweltverbände drastische Quotenkürzungen erlassen, mit dem Abbau der Flotten-Überkapazität begonnen und die Kontrollmaßnahmen gegen illegale Fischerei verbessert. Über eine sichere Bestandserholung kann jedoch laut WWF erst in etwa zehn Jahren geurteilt werden. "Die Reaktion der Natur auf die Politik ist langwierig. Wir sehen jetzt nur erste Anzeichen, dass die getroffenen Schutzmaßnahmen greifen. Nun brauchen wir Geduld und vorsichtige Entscheidungen, damit die Bemühungen der letzten Jahre nicht umsonst waren", so Schacht weiter. "Es sind noch immer zu viele Schiffe auf dem Meer, um den wenigen Fisch nachhaltig zu fangen." Der WWF fordert ICCAT auf, die bestehenden Überkapazitäten der Thunfischflotte bis 2015 wirksam abzubauen. Auch die Maßnahmen gegen die illegale Fischerei sind weiterhin im Fokus der Umweltschützer, denn wirksame Kontrollen gelten als ein Eckpfeiler für die Erholung des Bestandes.
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Karoline Schacht,
WWF-Fischereiexpertin,
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Telefax: 069/61 72 21
Mail: info(at)wwf.de
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Datum: 16.11.2012 - 10:45 Uhr
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