phoenix Mein Ausland: Lodzer Lust - eine Stadt erfindet sich neu - Sonntag, 10. September 2017, 21.45 Uhr
(ots) - Die alten polnischen Industriehöfe haben schon viele
Menschen kommen und gehen sehen. Unternehmer, Weber, arme
Arbeiterfamilien. Allen gemein war der Traum von einem besseren Leben
- der immer wieder zerstört wurde: in Kriegen, im Kommunismus und
auch nach der Wende. Jetzt träumt ihn eine neue Generation, mitten in
den alten Mauern. ARD-Korrespondentin Griet von Petersdorff berichtet
in einer neuen Ausgabe "Mein Ausland" vom Bemühen der Bewohner in
Lodz, ihre Stadt umzugestalten.
Die Bevölkerung trägt ihren Traum auch auf die Straße, zum
Beispiel in bunten Rikschas, Marke Lodzer Eigenbau. In rauen Mengen
rollen sie durch die Piotrkowska, die Prachtstraße schlechthin. Das
Besondere: In den meisten Städten sitzt man hinter dem Fahrer, aber
in Lodz ist ja vieles etwas anders. Denn was macht eine polnische
Großstadt, die stets im Schatten von Warschau oder Posen steht, in
der sich der Glanz der einst florierenden Textilindustrie nur noch
erahnen lässt? Sie erfindet sich neu - oder besser: ihre Bewohner.
Was bleibt ihnen auch übrig angesichts von Arbeitslosigkeit und
Stillstand? Sie gehen eigene Wege, finden ihre eigene Philosophie.
Anna Stepkowska zum Beispiel: Mit einer Thermoskanne und
Stellenangeboten ausgestattet, steigt sie morgens in den Zug nach
Warschau, um Pendler zu überreden, in ihrem Unternehmen in Lodz
anzuheuern. Arbeit hat sie genug. Oder Stef, ein junger Fotograf, der
nicht nur fest an den Wiederaufstieg der Stadt glaubt, sondern ihn
auch für die Nachwelt dokumentiert. Sein Fotoprojekt verbindet
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und er ist nicht allein mit
seiner Hoffnung: Auch Michal Gauza teilt sie. Im katholischen Polen
ist eher eine Ausnahme, nämlich ein Mann, der Frauenkleider trägt.
Doch das ist in Lodz kein Problem. Mutig ist auch Stanislaw Zaremba,
der für Lodz "brennt". Der ältere Herr - einst ein hohes Tier in der
kommunistischen Partei, was ihm offenbar aber keiner übel nimmt - hat
mit seiner Frau ein Drittel eines riesigen, leerstehenden
Industriekomplexes gekauft. Jetzt träumt er davon, dass hier "La
Boheme" inszeniert wird. Gleich neben den Werkstätten, in denen
Erfinder werkeln, Künstler und Designer ihr Glück suchen und
Mechaniker an einem Oldtimer-Elektromobil schrauben. Der alte
Schlager, er macht auf neue Weise Sinn: "Theo! Wir fahren nach Lodz"!
Ein Film von Griet von Petersdorff, phoenix/2017
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Datum: 20.07.2017 - 16:06 Uhr
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